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Thursday, August 30, 2007

Nachdem ich nun schriftlich auf meine Schreibfaulheit hingewiesen wurde, muss ich wohl mal wieder schreiben. Aber es faellt mir nicht leicht einfach nur irgendetwas zu schreiben. Japan hat mir in vielen Dingen einen neuen Blickwinkel gezeigt und mich das eine oder andere mal laenger nachdenken lassen. Wir haben in zwei Wochen soviel gesehen, dass ich garnicht weiss was ich ueberhaupt schreiben soll.

Ich fange mit einem Erlebnis an, welches mich kurzseitig erschuettert und dann nachdenklich gemacht hat. Ich habe mehrere Stunden damit zugebracht mir darueber klar zu werden ob ich das bloggen will, kann und ueberhaupt darf.

Disclaimer:
Bei diesem Artikel handelt es sich um ein Bericht über Vorgänge des Zeitgeschehens mit einem aufklaerenden Faktor und ist natuerlich keine "rechte Propaganda". Lesekundige schlagen bitte nach in §86/III (§86a) StGB: »...gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.«

Noch nicht ganz in Japan angekommen, besuchten wir auf schon den ersten Tempel. Es war nicht der einzige an diesem Tag und auch nur einer von mindestens 30 die ich in Japan besucht habe. Aber das Erlebnis dort machte mir mal wieder klar wie fixiert unser Blickwinkel sein kann. In diesem Fall fixiert durch den geschichtlichen Hintergrund Deutschlands.

Noch nicht ganz am Tempel angekommen, fand ich einen Schrein vor dem eine Japanerin beetete. Zugegeben nichts besorderes, nur das dieser Schrein mit einem grossen Hackenkreuz verziert war. Einen Menschen zu sehen der ein Hackenkreuz anbetet ist definitive recht abstossend. In Deutschland wuerde mich dieser Umstand wohl recht schnell dazu verleiten mit dieser bedauernwerten Kreatur in eine kleine "verbale Argumentation" einzusteigen. Wer in Deutschland auf einer Bahnhofstoilette ein gemaltes Hackenkreuz findet, nimmt den naechsten Stift korregiert den Umstand dadurch, dass er dieses Symbol durchstreicht. Wohl der einzige Fall wo die Zerstoerung fremden Eigentums hoechstwahrscheinlich stafffrei bleibt und man gut daran tut.

Schrein in Japan

Aber was sollte ich nun mit meiner Einstellung die naechsten zwei Wochen anfangen? Es wuerde durchaus Probleme auf den Plan rufen wenn ich mit einem Edding durch Japan laufe und jedes Hackenkreuz, das ich finde durchstreiche. Zudem diese teilweise meter gross auf einer Statur zu finden sind - da braeuchte ich Spraydosen und eine Leiter und dann sind dieser Staturen teilweise mit Gold ueberzogen, ist bestimmt keine optimale Idee die zu bemalen.

Ich entschloss mich stattdessen in Ruhe mit Lio zu unterhalten, Lio ist Buddhist er sollte mehr wissen. Zunaechst mal steht das Sonnenrad im Buddhismus fuer Glueck. Ferner steht es fuer Schutz, als eine Verkörperung des Lebens und der wechselnden Jahreszeiten. Es ist natuerlich nicht in Kontex des Nationalsozialismus zu sehen. Zugegeben das hatte ich bereits vermutet. Trotzdem war es die weiteren Tage immer wieder etwas befremdlich wenn ich das Sonnenrad irgendwo fand.

Um diesen Artikel nicht im Raum stehen zu lassen. Das Sonnenrad, Running Wheel oder genauer Swastika ist ein jahrtausende altes Zeichen, welches wahrscheinlich zuerst in Asien vorkam. Es ist nicht nur ueberall in Asien zufinden sondern weltweit verteilt.

Der aufmerksame Betrachter wird bemerkt haben, dass die Balken des Sonnenrad auf dem Foto nach links zeigen, wohingegen die Balken des Sonnenrad der Nazis nach rechts zeigen. Nach meiner Recherche fuehrt dieser Unstand aber nicht dazu, dass mit der Swastika der Nazis eine negativierte Bedeutung verbunden ist. Mehr zu diesem Punkt und dem gesamten Thema Swastika findet ihr auf www.sabon.org oder Wikipedia

Euer Marcel

Comments

Sehr Interessant, aber dass das Sonnenrad auch im Buddhismus benutzt wird in seiner Ursprünglichen Form wusste ich. Die Nazis habens ja, wie so viel, von den Kelten gemopst.
Ich glaube, wir hätten uns vorher ein wenig über Japan unterhalten sollen *g*
Oder du hättest mal meinen Reiseführer gelesen!
Ich hoffe das bleibt nicht der einzige Eintrag über Japan!!

Posted by Meiky at Thursday, August 30, 2007 12:01:25

Hallo Marcel,
nachdem wir beide schon telefonisch über das Sonnenrad gesprochen haben, bin ich jetzt positiv überrascht, wie gut dir die Schilderung der widerstrebenden Gefühle bei dem Anblick der Swastika gelungen ist.
Ich meine, dass wir nach dem Krieg Geborenen sehr einseitig informiert worden sind, was dieses Symbol bedeutet und ich keine Ahnung hatte von dem Sonnenrad und deren Bedeutung. Aber vll. hab ich auch in der Schule nicht richtig aufgepaßt. Oder? Ich wüßte gern, was Andere Nachkriegskinder dazu sagen.
Gruß Mama Ulla

Posted by Ulla at Thursday, August 30, 2007 12:06:55

Hallo Ulla,
nee, in meiner Schule habe ich (darüber) nichts gelernt, oder bei mir ist nichts hängen geblieben. Hi hi.
Marcel wie war das denn in Deiner Schule?

Ich denke mal, dass wir "deutschen" -bedingt durch unsere Geschichte- einen "Knacks" (mit)bekommen haben.
Im dritten Reich ist vieles misbraucht worden. Ob Symbole, Worte oder Musik.
So verdrängten wir Nationalstolz (zumindest bis zur MW-´06),oder es berührte uns peinlich, wenn wir unsere Nationalhymne hören, geschweige gar mitsingen sollen, -wie ging noch einmal der Text,: Deutsc...
...wärend andere Nationen lauthals sowas wie -greift zu den Waffen- oder ähnliches singen.

Wir sind "dünnhäutig" und (hoffendlich) sensiebel, um zB. beim Anblick solcher Symbole "zu erstarren".
Doch geht es eigendlich garnicht um das (misbrauchte)Symbol, sondern um die "Gesinnung" die bestimmte Menschen, Gruppen oder sogar Parteien haben. Ja richtig, nicht nur EINE Partei...
Also ist doch unsere Sensibilität und Aufmerksamkeit gefragt, frei nach dem Motto: währet den Anfängen...!

Marcel, wenn es nicht schon so wäre...
ich würde das Foto im Blog seitenverkehrt abbilden...

Bis die Tage und Gruß,
Jürgen.

Posted by Jürgen at Thursday, August 30, 2007 18:05:32

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